Hass ist keine Meinung

Nach einer öffentlichen Aussage wurde Neha Bhati, Vorsitzende der Südtiroler HochschülerInnenschaft (sh.asus) und Studentin aus Brixen, Ziel zahlreicher Hasskommentare.

Neha Bhati, Vorsitzende der Südtiroler HochschülerInnenschaft (sh.asus) und Studentin aus Brixen.

Neha Bhati: Hass ist keine Meinung

Diese Erfahrung hat Neha gezeigt, wie belastend persönliche Angriffe im Netz sein können – und wie wichtig Unterstützung und Orientierungshilfen für Betroffene sind.


Mit Gegenwind hatte Neha Bhati gerechnet. Nicht aber mit dem Ausmaß der Reaktionen. Nachdem eine Aussage von ihr in den sozialen Medien verbreitet und aus dem Zusammenhang gerissen worden war, sah sich die Vorsitzende der Südtiroler HochschülerInnenschaft (sh.asus) plötzlich mit zahlreichen beleidigenden und teilweise rassistischen Kommentaren konfrontiert.

„Unterschiedliche Meinungen gehören zu einer demokratischen Gesellschaft dazu“, sagt Bhati. Kritik und kontroverse Diskussionen seien wichtig. „Aber es soll nicht beleidigend werden und es soll kein Hass sein. Hass ist keine Meinung und das Internet kein rechtsfreier Raum.“

Besonders belastend waren für die Studentin der Rechtswissenschaften die persönlichen Angriffe. Viele Kommentare stammten von Menschen, die sie gar nicht kannte. Es wurde nicht über Inhalte diskutiert, sondern über ihre Person. „Man fragt sich schon, wie jemand solche Dinge über einen schreiben kann, ohne einen überhaupt zu kennen“, erzählt sie.

In manchen Kommentaren wurde ihr direkt und indirekt vermittelt, dass es Menschen wie sie eigentlich nicht geben sollte – ihr Vater stammt aus Indien, ihre Mutter aus Brixen. Die Angriffe richteten sich nicht gegen eine politische Position, sondern gegen ihre Identität. „Das hat mich sehr beschäftigt“, sagt Bhati. „Ich bin hier geboren, ich bin hier aufgewachsen. Südtirol ist meine Heimat.“ Dass ihr genau diese Zugehörigkeit abgesprochen wurde, empfand sie als besonders verletzend und widersinnig.

Die Situation beschäftigte sie über Wochen hinweg. Die ständige Konfrontation mit negativen Kommentaren lenkte sie ab und wirkte sich auch auf ihren Alltag aus. „Es bleibt nicht einfach im Internet. Man nimmt das mit, denkt darüber nach und beschäftigt sich damit.“

Eine wichtige Stütze waren in dieser Zeit Familie, Freunde und Freundinnen. Sie gaben Halt und halfen dabei, die Situation einzuordnen. Ebenso wertvoll waren die vielen solidarischen Nachrichten von Menschen, die ihr Mut zusprachen oder von ähnlichen Erfahrungen berichteten. „Diese Unterstützung hat mir sehr viel Kraft gegeben“, sagt Bhati rückblickend. Gerade die positiven Rückmeldungen hätten ihr gezeigt, dass Hasskommentare nicht die Meinung der Mehrheit widerspiegeln.

Gerade deshalb hält sie es für wichtig, Betroffene nicht allein zu lassen. Wer zum ersten Mal mit Hasskommentaren oder beleidigenden Nachrichten konfrontiert wird, wisse oft nicht, wie er reagieren soll.

Gerade deshalb sind Informationsangebote wie die Kampagne „Digital ist real“ aus ihrer Sicht so wichtig. „Im ersten Moment ist man überfordert und weiß nicht, was man tun kann“, sagt Bhati. Die Kampagne bietet Betroffenen eine erste Orientierungshilfe, zeigt konkrete Handlungsmöglichkeiten auf und informiert darüber, welche Unterstützungsangebote und rechtlichen Schritte zur Verfügung stehen.

„Wenn man mitten in so einer Situation steckt, braucht man schnell Informationen und Unterstützung“, betont Bhati. Zu wissen, an wen man sich wenden kann und welche Möglichkeiten man hat, könne viel Unsicherheit nehmen.

Neben rechtlichen Rahmenbedingungen sieht sie aber auch die Gesellschaft in der Verantwortung. Persönliche Beleidigungen dürften nicht als normale Begleiterscheinung sozialer Medien akzeptiert werden. „Man sollte sich immer fragen, ob man dieselben Dinge auch jemandem direkt ins Gesicht sagen würde.“

Für Neha ist deshalb klar: Persönliche Beleidigungen dürfen weder im echten Leben noch im Netz selbstverständlich werden. Unterschiedliche Meinungen gehören zu einer offenen Diskussion dazu – Hass und Herabwürdigungen hingegen nicht.

 

Informationen, Möglichkeiten gegen Hasskommentare vorzugehen und die Kontakte zu Anlauf- und Beratungsstellen für Betroffene gibt es online unter www.digitalistreal.it. „Digital ist real“ ist eine Kampagne des Landes Südtirol und des Landesbeirates für das Kommunikationswesen in Zusammenarbeit mit über 30 Partnerorganisationen.

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